Upload der AngstIn der Samstagnacht trudelten die Meldungen unruhig und zögerlich an den Sprossen der sozialen Netzwerke entlang. Ich träumte nicht von ihm, aber neben den kitzelnden Kirchenglocken hatte sich
der Trojaner fett am Bettende zusammengerollt und servierte die
Morgenübelkeit zu Kaffee und Sonntagszeitung. Aufgewacht im Überwachungsstaat. Ein ganz normaler Morgen also. Denn sie lesen ja eh bei mir mit, die Leute, mit ihren kleinen, spitzen
Urteilen. Und ich bei ihnen. Doch diese graue Masse habe ich immer in den Fingerspitzen und im Kopf, wenn ich mit gekräuseltem Bewusstsein etwas in ein Textfeld tippe, um es kurz davor per Klick in die Wildbahn zu entlassen. Es sei denn, ich brodele und niemand
hält meine Hände so lange, bis ich sie wieder in den Schoß legen kann ohne etwas geschrieben und verbreitet zu haben.
An diesem Sonntag, an dem der so genannte Bundestrojaner vom Chaos Computer Club auf
nacktem Zeitungspapier seziert wurde, stemmt man sein Laptop im Kettenhemd auseinander, immer in Angst, dass die Software aus dem Display heraus springt, beißt, reißt und mit der Beute wieder hinab taucht. Am Handgelenkt keine Zahnabdrücke
des Ungetiers, nur leicht
elektrisierte Härchen am Unterarm, die in Richtung der Decke toben.